Unter acht Euro für sechs unterschiedliche Körnungsstufen klingt nach einem Kompromiss, der sich irgendwo rächen muss. Beim Tesstsy-Set liegt der Kompromiss offen zutage: keine Basis, keine Winkelführung, dafür aber tatsächlich sechs Steine von 120 bis 3000 – inklusive einer Körnung, die bei den meisten teureren Sets komplett fehlt. Für wen sich das trotzdem lohnt, lässt sich an der Körnungstabelle ziemlich genau festmachen.
Sechs schmale Steine, keine Ausstattung – das steckt im Set
Statt zwei oder drei doppelseitigen Kombisteinen liefert Tesstsy sechs einzelne, schmale Stäbchen mit den Körnungen 120, 240, 600, 1000, 2000 und 3000, jeweils mit einer dünnen Gummiauflage an der Unterseite. Eine feste Basis, ein Halter oder eine Winkelführung fehlen komplett – wer damit arbeiten will, braucht mindestens ein gefaltetes, feuchtes Handtuch als Unterlage, damit die Steine beim Schärfen nicht wandern. Für den Preis ist das ein nachvollziehbarer Verzicht, sollte aber vor dem Kauf klar sein: Hier zahlst du für Körnungen, nicht für Komfort. Zum Vergleich: Ein einzelner Markenstein in vergleichbarer Größe kostet oft schon so viel wie das gesamte Sechser-Set – wer nur ausprobieren will, ob Freihandschliff überhaupt etwas für einen ist, riskiert hier kaum Geld.
Im Detail: Was 120er- und 240er-Körnung wirklich reparieren
Die beiden gröbsten Stufen sind der eigentliche Grund, warum dieses Set in einem eigenen Segment spielt. 120 ist eine echte Reparaturkörnung für tiefe Ausbrüche oder einen kompletten Neuanschliff des Winkels – Bereiche, in denen die meisten 400er-Einsteigersteine bereits passen müssen. 240 schließt die Lücke zur normalen Vorschärfe, 600 und 1000 übernehmen die eigentliche Grundschärfe für den Alltag, 2000 und 3000 den Feinschliff. Wichtig ist die Reihenfolge: Wer bei 120 einsteigt, obwohl das Messer nur leicht stumpf ist, trägt unnötig viel Stahl ab und verkürzt die Lebensdauer der Klinge. Die groben Stufen sind Werkzeug für den Ausnahmefall, nicht für den Sonntagseinsatz. Praktisch bedeutet das: Die meisten Nutzer werden 120 und 240 über Monate kaum anfassen und stattdessen mit 600 bis 2000 den überwiegenden Teil ihrer Schärftermine bestreiten – die groben Stufen liegen bereit, für den Tag, an dem tatsächlich etwas danebengegangen ist.
Ist ein 8-Euro-Schleifstein-Set überhaupt brauchbar?
Für den Einstieg und für Reparaturfälle ja, für den täglichen, komfortablen Gebrauch nur bedingt. Die Körnungsspanne von 120 bis 3000 ist ehrlich und deckt echte Bedürfnisse ab, doch ohne Halter und Winkelführung hängt das Ergebnis stärker als bei anderen Sets von der eigenen Übung ab. Als Einstieg in die eigene Schärftechnik, bevor du in teureres Werkzeug investierst, ist es eine ehrliche Empfehlung.
Ohne Halter schärfen: Worauf du achten musst
Ein sauber gefaltetes, feuchtes Küchenhandtuch als Unterlage ersetzt die fehlende Basis größtenteils – wichtig ist, dass der Stein während des gesamten Zugs nicht wandert. Die groben Stufen 120 und 240 solltest du kurz wässern, bevor du loslegst, die feineren Stufen ab 1000 vertragen auch trockeneren Einsatz mit gelegentlichem Besprühen. Da kein Abrichtstein beiliegt, lohnt sich ein Blick auf die Oberfläche der gröberen Steine nach einigen Anwendungen: Wird sie sichtbar uneben, hilft auch hier nur Abrichten, notfalls mit feinem Nassschleifpapier auf einer planen Fläche. Wer beim Einstieg lieber gleich mit der passenden Klinge übt, findet im Messer-Finder das dazu passende Modell.
Für wen geeignet?
Das Tesstsy-Set passt zu allen, die die Technik des Freihandschliffs von Grund auf lernen wollen, ohne dafür viel Geld zu riskieren, und zu allen, die gelegentlich tatsächlich beschädigte Klingen reparieren müssen. Wer stattdessen ein bequemes Rundum-Paket mit Halter, Winkelführung und gleichbleibender Steinqualität sucht, ist bei den günstigeren Schleifsteinen im Vergleich im mittleren Preissegment besser aufgehoben. Als Ergänzung für die Werkzeugkiste, gerade wegen der seltenen 120er- und 240er-Stufe, bleibt es aber auch für erfahrenere Nutzer interessant, die einen zusätzlichen Reparaturstein suchen, ohne dafür ein komplettes zweites Set zu kaufen.
Wie sich das Modell gegen die Konkurrenz schlägt, zeigt der Schleifsteine-Vergleich.



