Der Chef’s Choice 220 ist ein elektrischer Messerschärfer mit zwei Schlitzen für zwei Stufen. Amazon führt ihn als „CHEF’S CHOICE 220 Elektrischer Messerschärfer, Schwarz, Weiß und Silber“ zu ca. 102 Euro (Stand Juli 2026). Selbst in der Hand hatten wir ihn nicht. Die Angaben zum Gerät stammen von der Herstellerseite chefschoice.com (der US-Seite), aus dem Amazon-Katalogtitel und vom Produktfoto; was wir selbst einordnen, steht als unsere Einschätzung da.
Der Katalogtitel nennt weder „Hybrid“ noch Stufen. Wir ordnen das Angebot dem Chef’sChoice Hybrid Diamond Hone Knife Sharpener Model 220 zu, weil das Foto den Schriftzug „Model 220“ und zwei nummerierte Schlitze zeigt.
Hinter dem Gerät steht die EdgeCraft Corporation aus Avondale in Pennsylvania. Nach der About-Seite des Herstellers führte die Firma die Marke Chef’s Choice mit ihrem ersten Elektroschärfer ein, und Chef’s Choice-Produkte hatten ihren offiziellen Einstand auch in gewerblichen Küchen. Der 220 selbst ist laut Hersteller in den USA entwickelt und montiert.
In unserer Kategorie Wetzstähle & Messerschärfer vergleichen wir 22 Geräte. Mit 9,0 liegt der 220 auf Platz drei der Gesamtwertung und hat unter den vier Elektrogeräten die höchste. Billig ist er nicht: Nur der HORL 2 und der Graef CX125 kosten mehr.
Stufe 1 mit Motor, Stufe 2 von Hand
Die beiden Schlitze tragen auf dem Produktfoto die Ziffern 1 und 2. Chef’s Choice beschreibt den Aufbau genauso: Stufe 1 ist elektrisch und schärft, Stufe 2 ist manuell, dient zum Honen und Nachschärfen und arbeitet „without power“, also ohne Strom. Beide Stufen haben laut Hersteller Schleifmittel aus 100 % Diamant.
Das Gehäuse ist auf dem Foto zweiteilig, oben weiß, darunter ein schwarzer Sockel. Um die Schlitze liegt eine silberfarbene Metallfläche. Die Messerführungen sind laut Chef’s Choice aus gebürstetem Edelstahl. Links vorn am Sockel sitzt ein roter Kippschalter mit Lüftungsrippen daneben, unten sind schwarze Standfüße zu sehen.
Dass nur Stufe 1 einen Motor braucht, hat eine praktische Folge: Das Nachschärfen zwischendurch, für das Stufe 2 gedacht ist, geht ohne Steckdose.
Im Detail: Grat, Diamant und gewölbte Schneide
Beim Schleifen drückt die Scheibe einen hauchdünnen Stahlrest auf die Gegenseite der Schneide, den Grat. Bleibt er stehen, klappt er beim ersten Schnitt um oder bricht ab, und die Klinge wirkt wieder stumpf. Darum endet ein sauberer Schliff mit einem feineren Arbeitsgang, der den Grat entfernt.
Chef’s Choice verspricht für die Kombination aus elektrischer und manueller Stufe eine „extremely sharp, burr-free edge with lots of bite“, auf Deutsch eine extrem scharfe, gratfreie Kante mit viel Biss, und nennt das Verfahren CrissCross.
Zum Schleifmittel: Diamant ist härter als jeder Messerstahl. Die Härte der Klinge setzt ihm deshalb keine Grenze, während Korundsteine an Stählen mit sehr harten Vanadiumkarbiden schneller verschleißen. Begrenzt wird der 220 durch den Winkel seiner Führungen und durch das, was der Hersteller freigibt.
Als Ergebnis nennt Chef’s Choice eine bogenförmige Schneide („arch-shaped edge“). Wir verstehen das als gewölbte Fase: Die Flanke läuft im Querschnitt leicht gerundet auf die Kante zu, statt als ebene Fläche. Bei gleichem Winkel direkt an der Kante liegt dann hinter ihr mehr Stahl als bei einer ebenen Fase, die Kante ist besser gestützt und im Profil etwas dicker.
Der Winkel: 20-Grad-Klasse
Laut Chef’s Choice ist der 220 für Messer der „20 degree class“ ausgelegt, die Spezifikationstabelle nennt 20 Grad als resultierenden Schliffwinkel.
Bei Küchenmessern ist ein Schleifwinkel fast immer der Winkel pro Seite. Gilt das auch hier, ergeben 20 Grad pro Seite einen eingeschlossenen Winkel von 40 Grad an der Schneide, 15 Grad pro Seite nur 30. Je flacher der Winkel, desto dünner ist die Schneide hinter der Kante: Sie dringt leichter ins Schnittgut ein, hat aber weniger Stahl im Rücken. Nach unserem Ratgeber zum Schleifwinkel liegen europäische Küchenmesser bei 15 bis 20 Grad pro Seite, japanische bei 10 bis 15.
Damit entscheidet der Anschliff deiner Messer. Eines mit 20 Grad passt zur Führung. Ein Messer mit 15 Grad bekäme von diesem Gerät, so wie wir die 20-Grad-Klasse lesen, an der Schneide eine neue, steilere Fase, die mit jedem Nachschärfen breiter wird. Es ist danach robuster, schneidet aber mit mehr Widerstand, als sein Hersteller vorgesehen hat.
Kann der 220 ein Brotmesser schärfen?
Chef’s Choice nennt gezahnte („serrated“) Klingen als geeignet. Ob das für ein Brotmesser mit grobem Wellenschliff gilt, bleibt offen, denn Stufe und Zahnform nennt der Hersteller nicht.
„Gezahnt“ ist ein weiter Begriff. Er umfasst feine Sägezähne, wie sie manche Taschenmesser haben, genauso wie die breiten Wellen eines Brotmessers. Beim Wellenschliff liegt das Problem in den Mulden: Eine flache Schleiffläche erreicht nur die Zahnspitzen, wie unser Ratgeber zum Brotmesser schärfen beschreibt, und lässt die Mulden dazwischen stumpf.
Drei andere Geräte unserer Kategorie nennen nach unseren Produktseiten etwas dafür: Der Sharpal 198H hat einen separaten Keramik-Schlitz für Wellenschliff. Beim Graef CX125 ist die Abziehphase auch dafür gedacht, frischt bei Wellenschliff aber laut Produktseite nur die Schneide auf; für einen vollständigen Neuschliff bleiben dort Spezialwerkzeug oder der Fachhandel die gründlichere Lösung. Der CUTMORE ProSharp (Durchziehschärfer von Hand, ca. 50 €) wird laut unserer Produktseite vom Hersteller auch für Wellenschliff angegeben. Unser Ratgeber stuft Durchziehschärfer mit Wellenschliff-Schlitz allgemein nur als Notlösung ein: fester Winkel, die Mulden erreicht so ein Gerät nicht. Beim CUTMORE ist der Winkel nach unserer Produktseite allerdings einstellbar (15 bis 24 Grad pro Seite), und ob er die Mulden erreicht, kennen wir nur als Herstellerangabe.
Unsere Einschätzung: Ist ein grob gewelltes Brotmesser der Hauptgrund für den Kauf, würden wir vorher bei Chef’s Choice oder beim Händler fragen, in welcher Stufe gezahnte Klingen laufen.
Pflege und Schärfroutine
Zur Reinigung schreibt Chef’s Choice auf seiner Seite mit Schärftipps allgemein für seine Elektroschärfer, die Außenseite lasse sich mit einem weichen, feuchten Tuch abwischen. Ein feuchtes Tuch ist etwas anderes als Wasser im Gerät: Ein elektrisches Gerät würden wir nie unter fließendes Wasser halten.
Aus der Arbeitsteilung der beiden Stufen lesen wir eine Routine: Stufe 1 für ein stumpfes Messer, Stufe 2 für die Pflege dazwischen.
Wie oft ein Messer drankommt, hängt am Gebrauch, nicht am Gerät. Jedes Schärfen trägt Stahl ab, wie viel, hängt von Schleifmittel, Druck und Zahl der Durchgänge ab. Unser Ratgeber Messerschärfer im Vergleich rechnet elektrische Geräte allgemein zu den Bauarten mit dem höchsten Abtrag. Chef’s Choice beschreibt seine Elektroschärfer dagegen mit „minimal removal of metal“, also geringem Metallabtrag. Beide Aussagen sind allgemein gehalten, zum 220 liegt uns für keine von beiden eine Messung vor. Wie oft welches Werkzeug sinnvoll ist, kannst du im Schärf-Trainer durchspielen.
Was Chef’s Choice nicht angibt
In den Quellen, die wir auswerten konnten, fehlen einige Angaben, die man bei einem Schärfer erwartet. Das betrifft die Körnung der Diamantschleifmittel, den Winkel je Stufe und ob die 20 Grad pro Seite gemeint sind, die Stufe für gezahnte Klingen und die Funktionsweise von CrissCross. Offen sind auch Leistung in Watt, Netzspannung, Steckertyp und CE-Kennzeichnung der in Deutschland verkauften Variante, außerdem Geräuschpegel, Gehäusematerial, Rutschfestigkeit der Füße, Lieferumfang samt Kabellänge und eine gerätespezifische Reinigungsanleitung.
Dazu kommen Freigaben: Für einseitig geschliffene Klingen und Keramikmesser haben wir keine gefunden, für Stähle über 60 HRC und für Messer mit 15 Grad ebenso wenig, und für Linkshänder gibt es keinen Hinweis. Die Garantie ist auf der US-Seite widersprüchlich angegeben (Einzelheiten in den FAQ). Die Anleitung liegt dort zum Download, ließ sich für uns aber nicht lesen. Eine deutsche Herstellerseite oder einen deutschen Importeur mit Datenblatt haben wir nicht gefunden, und von Stiftung Warentest oder Öko-Test liegt uns zum 220 kein Ergebnis vor.
Was kommt sonst infrage?
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm dieses, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Chef’s Choice 220 (dieses) | Hybrid: Stufe 1 elektrisch, Stufe 2 von Hand, 20-Grad-Klasse laut Hersteller | ca. 102 € | 9,0 | deine Küchenmesser einen Anschliff um 20 Grad haben und du eine Stufe von Hand ziehen magst |
| HORL 2 Nussbaum | Rollschleifer von Hand mit Magnetlehre, wählbar 15 und 20 Grad laut HORL | ca. 139 € | 9,5 | du Messer mit 15 und mit 20 Grad schärfst und von Hand arbeiten willst |
| Graef CX125 Diamant-Messerschärfer | drei Phasen (Diamant, Diamant, Keramik), 15 Grad pro Seite laut unserer Produktseite | ca. 195 € | 8,7 | du alles motorisiert willst und deine Klingen feiner angeschliffen sind |
| Sharpal 198H Elektrischer Messerschärfer | zwei Diamantscheiben (325 und 1000) und ein eigener Keramik-Schlitz für Wellenschliff laut unserer Produktseite | ca. 55 € | 8,1 | du Alltagsmesser mit 20 Grad schärfst, ein Brotmesser nur gelegentlich auffrischen willst und unter 60 Euro bleiben willst |
Alle Preise sind Amazon-Preise mit Stand Juli 2026. Die Wertung ist unsere redaktionelle Einschätzung aus den Daten, kein Messergebnis. Alles zu Graef, Sharpal und CUTMORE in diesem Text beruht auf unseren Bestandsseiten, bei denen der Abgleich mit der Herstellerseite noch aussteht; bei 220 und HORL ist er gemacht.
Wann der 220 passt und wann ein anderes Gerät
Zuerst zählt der Zustand deiner Messer. Sind sie stumpf, aber heil, ist das die Arbeit eines Durchziehgeräts. Haben sie Ausbrüche, eine abgebrochene Spitze oder eine schiefe Fase, würden wir sie zum Schleifdienst geben; wann das lohnt, steht in unserem Ratgeber Messer schärfen lassen.
Gegenüber den Geräten aus der Tabelle: Der HORL 2 kostet knapp 37 Euro mehr als der 220, der Graef CX125 gut 92 Euro mehr, der Sharpal 198H ist gut 47 Euro günstiger. Chef’s Choice selbst beschreibt für 15 Grad das Model 15XV Trizor mit drei Stufen („3-Stage 15-Degree Trizor“); zu den Geräten, die wir vergleichen, gehört es nicht.
Schärfst du nur zwei Messer ein- oder zweimal im Jahr, ist ein Gerät dieser Preisklasse viel Geld für wenig Einsatz. Nach unserer Einschätzung reicht dann der Schleifdienst.
Für wen geeignet?
Für Besitzer einseitig geschliffener Japanmesser wie Yanagiba oder Deba ist der 220 nach unserer Einschätzung die falsche Wahl. Chef’s Choice beschreibt ihn als Schärfer für Küchen-, Haushalts-, leichte Sport- und Taschenmesser; einseitige Klingen kommen in dieser Aufzählung nicht vor. Bei einseitigem Schliff trägt nur eine Seite die Fase, die andere bleibt flach oder leicht hohl. Eine Führung für Standardmesser, die beide Seiten bearbeitet, würde diese Geometrie verändern. Für solche Klingen gehört nach unserer Einschätzung ein flacher Stein ins Haus, kein Durchziehgerät.
Keramik lässt sich nach unserem Ratgeber Keramikmesser: Vor- und Nachteile nur mit Diamant schärfen, und das Schleifmittel des 220 ist Diamant. Frag vor dem Durchziehen beim Hersteller oder im Handel nach, ob das Gerät dafür freigegeben ist.



