Olivenholz statt Pakkaholz oder Kunststoff: WMF setzt beim Grand Wood auf ein Material, das sonst eher in der italienischen Küchenausstattung als am deutschen Messergriff zu finden ist – und macht daraus das auffälligste Verkaufsargument dieses Santokus.
Erster Eindruck: Handwerk, das man sieht und fühlt
Jeder Griff aus natürlich gewachsenem italienischem Olivenholz zeigt eine eigene, unverwechselbare Maserung – kein Exemplar gleicht dem anderen exakt. Verarbeitet ist der Übergang zwischen Holz und geschmiedeter Klinge sauber und fugenarm, der Kropf sitzt spürbar massiv und gibt dem 18-cm-Santoku mit rund 215 g ordentlich Gewicht Richtung Klinge. Das ist ein bewusster Kontrast zu den vielen leichten, kunststoffgriffigen Modellen in diesem Vergleich: Hier soll man das Handwerk spüren, nicht nur die Funktion. Der leicht ovale Griffquerschnitt liegt zudem angenehm in der Handfläche und macht die zusätzliche Klingenmasse beim Führen über das Schneidebrett gut kontrollierbar, statt sie als reine Last spüren zu lassen.
Im Detail: Performance Cut und Schnittverhalten
Statt einer klassischen HRC-Angabe wirbt WMF mit dem hauseigenen Performance-Cut-Verfahren: Jede Klinge wird einzeln per Laser vermessen und anschließend robotergestützt auf den optimalen Schliffwinkel gebracht. In der Praxis zeigt sich das in einem sehr gleichmäßigen, sauberen Anschliff – Tomaten und Zwiebeln lassen sich mit wenig Druck exakt portionieren, das geschmiedete Zusatzgewicht hilft zusätzlich beim Durchtrennen fester Gemüsesorten wie Kürbis oder Sellerie. Eine unabhängige Härteangabe fehlt allerdings, was den direkten Zahlenvergleich mit offen kommunizierten Stählen wie X50CrMoV15 erschwert. Beim Portionieren von Fleisch für ein Familienessen macht sich das zusätzliche Gewicht des geschmiedeten Kropfs positiv bemerkbar: Der Schnitt durch dickere Stücke gelingt mit weniger Kraftaufwand als bei den leichteren Klingen dieses Vergleichs.
Warum nennt WMF keine HRC-Zahl?
WMF stellt beim Grand Wood das Performance-Cut-Schleifverfahren in den Vordergrund statt einer klassischen Härteangabe – die Herstellerunterlagen sprechen von „rostfreiem, säurebeständigem Spezialklingenstahl”, ohne eine konkrete Rockwell-Zahl zu nennen. Für die Kaufentscheidung heißt das: Du verlässt dich auf den geschliffenen Anschliff und die Verarbeitungsqualität, nicht auf eine vergleichbare Kennziffer wie bei anderen Herstellern dieser Liste. Zum Vergleich lohnt sich deshalb ein Blick auf andere Hersteller in diesem Vergleich, die ihre Rockwell-Werte offen kommunizieren – die Differenz liegt am Ende meist im Detail der Datenblätter, nicht in der praktischen Schnittleistung am Schneidebrett.
Pflege und Schärfen: Holz will Aufmerksamkeit
Der Olivenholzgriff verlangt mehr Zuwendung als Kunststoff oder Pakkaholz: von Hand spülen, sofort trocknen, gelegentlich mit lebensmittelechtem Öl einreiben, damit das Holz nicht austrocknet oder reißt. Ein kleiner Tropfen Öl reicht meist aus; wichtig ist vor allem Regelmäßigkeit statt Menge, damit das Holz seine Spannkraft behält und nicht an den Übergängen zur Klinge aufquillt. Zum Nachschärfen der Klinge eignet sich ein Schleifstein mit 1000er Körnung für die Grundschärfe, 3000er für die Politur; einen klassischen Wetzstahl kannst du bei diesem Härtebereich bedenkenlos zum Ausrichten nutzen. Wie sich Winkel und Körnung beim Nachschärfen zusammenspielen, lässt sich vorab im Schärf-Trainer üben, bevor die teure Klinge dran glauben muss.
Für wen geeignet?
Das WMF Grand Wood Santoku eignet sich für alle, die neben der reinen Schnittleistung auch Material und Optik als Kaufargument gewichten und bereit sind, dem Olivenholzgriff die nötige Pflege zu geben. Wer ein pflegeleichtes Reise- oder Alltagsmesser ohne Holzpflege-Routine sucht, findet in unserem Santokumesser-Vergleich mehrere Kunststoffgriff-Alternativen, die genau das bieten. Auch als repräsentatives Geschenk zu besonderen Anlässen wie Einzug oder Hochzeit spielt das Grand Wood seine Materialästhetik aus, sofern die Beschenkten bereit sind, die zusätzliche Pflege des Holzgriffs zu übernehmen.
Wie sich das Modell gegen die Konkurrenz schlägt, zeigt der Santokumesser-Vergleich.



