Wer regelmäßig mit nassen oder fettigen Händen am Schneidebrett steht, kennt das ungute Gefühl, wenn der Griff im entscheidenden Moment leicht wegrutscht. Genau dieses Problem hat Wüsthof mit der Ikon-Linie adressiert – nicht durch einen neuen Stahl, sondern durch einen komplett überarbeiteten Griff auf der bewährten Classic-Klinge.
Griffkomfort statt neuer Klingentechnik
Klingentechnisch bleibt beim Classic Ikon alles beim Alten, und das ist ausdrücklich positiv gemeint: Die 20 cm lange Klinge wird wie beim Classic aus einem Stück X50CrMoV15-Stahl geschmiedet und auf 58 HRC gehärtet. Der eigentliche Unterschied sitzt am Übergang zwischen Klinge und Griff. Statt des schlanken Einfach-Kropfs bekommt das Ikon einen deutlich breiteren Doppelkropf, der die Hand vorne stärker abstützt. Die POM-Griffschale ist zusätzlich konturiert und läuft in einer sanften Wellenform aus, die die Finger führt, ohne einzuengen. In der Praxis zeigt sich der Unterschied vor allem bei längeren Schneidesessions: Während der schmalere Classic-Kropf nach einer Stunde Zwiebelschneiden an der Zeigefingerkuppe zu drücken beginnt, verteilt der Doppelkropf den Druck spürbar breiter. Auch der Übergang von der Klinge zur Zwinge bleibt spaltfrei und sauber verrundet – hier hat Wüsthof erkennbar keine Abstriche gemacht, nur um den neuen Griff zu ermöglichen. Wer die Griffserie der letzten Jahre verfolgt hat, erkennt in der Doppelkropf-Idee eine logische Weiterentwicklung: Ähnliche ergonomische Ansätze verfolgen mittlerweile auch andere Solinger Hersteller mit eigenen Komfortgriffen, keiner davon ist jedoch so konsequent auf breitere Fingerauflage ausgelegt wie das Ikon.
Im Detail: Stahl, Schliff und Schnittverhalten
Am PEtec-Präzisionsschliff mit rund 14° pro Seite hat sich gegenüber dem Classic nichts verändert – und das ist die eigentliche Stärke dieses Messers. Bei Tomaten zieht die Klinge sauber durch die Haut, ohne die Frucht zusammenzudrücken, Zwiebeln lassen sich in gleichmäßig dünne Ringe teilen. Fleisch mit Sehnen wird durch die harte, aber nicht zu spröde 58-HRC-Klinge kontrolliert durchtrennt, ohne dass die Schneide beim ersten Knochenkontakt gleich ausbricht. Die Schnitthaltigkeit im Alltag liegt auf demselben hohen Niveau wie beim Classic: Bei normaler Beanspruchung reicht ein wöchentlicher Zug über den Wetzstahl, eine echte Neuschärfung wird erst nach Monaten fällig. Wer schon ein Classic besitzt, gewinnt hier also keine zusätzliche Schärfe, sondern ausschließlich Handhabungskomfort.
Rechtfertigt der Ikon-Griff den Aufpreis zum Classic?
Für die meisten Hobbyköche eher nicht – die zusätzlichen rund 24 Euro kaufen Ergonomie, keine bessere Klinge. Wer aber kleine Hände hat, das Messer mehrere Stunden am Stück nutzt oder öfter mit fettigen Fingern arbeitet (etwa beim Zerlegen von Geflügel), merkt den breiteren Doppelkropf deutlich: Der Grip bleibt stabiler, das Risiko des Abrutschens sinkt spürbar. Wer nur gelegentlich kocht, bekommt mit dem Classic dieselbe Klingenqualität für weniger Geld.
Im Vergleich zu anderen ergonomisch ausgelegten Kochmessern, etwa der Professional-S-Serie von Zwilling mit ihrem asymmetrisch geformten Griff, verfolgt Wüsthof mit dem Ikon einen konservativeren Ansatz: Statt die Griffform grundlegend neu zu denken, wird lediglich der Kropf verbreitert und die Schale leicht konturiert. Das Ergebnis ist weniger auffällig, aber auch weniger gewöhnungsbedürftig – wer die klassische Wüsthof-Silhouette mag und nur den Grip verbessern will, findet hier den passenderen Kompromiss als bei komplett neu geformten Griffen.
Pflege des Doppelkropf-Griffs
Trotz robustem POM-Griff gehört auch das Ikon von Hand gespült, nicht in die Spülmaschine – Reinigerchemie und Anschlagen im Korb greifen Schneide und Kropf an. Zum Nachschärfen genügt anfangs ein Keramik- oder Stahl-Wetzstahl im Wochenrhythmus, für die Grundschärfe ein Wasserstein mit 1000er Körnung, poliert mit 3000er oder feiner. Wie Winkel und Körnung zusammenspielen, lässt sich risikofrei im Schärf-Trainer durchspielen, bevor du am echten Stein übst.
Für wen geeignet?
Das Wüsthof Classic Ikon ist die richtige Wahl für alle, die den bewährten Classic-Stahl wollen, aber Wert auf zusätzlichen Griffkomfort legen – etwa bei intensiver Nutzung, kleineren Händen oder häufigem Arbeiten mit fettigen oder nassen Fingern. Wer unsicher ist, ob ein klassisches Kochmesser & Gyuto oder eher ein Santoku besser zum eigenen Schneidestil passt, findet im Messer-Finder eine schnelle Orientierung. Wer aufs Budget schaut und keinen Ergonomie-Unterschied spürt, ist mit dem günstigeren Classic ebenso gut bedient.
Mehr Alternativen versammelt die Bestenliste Kochmesser.



