Zwölf Teile für sechs Gedecke
Zwilling führt das Set in der Serie ZWILLING Specials. Im Karton liegen laut Hersteller sechs Steakmesser und sechs Steakgabeln, der Amazon-Katalogtitel ergänzt „Für 6 Personen“, „in Holzbox“ und als Material schlicht „Edelstahl“. Bei Amazon kostet das Set ca. 35 Euro (Stand Juli 2026).
Gebaut ist das Besteck für den Teller. Das Messer zerteilt ein fertig gebratenes Stück Fleisch beim Essen, die Gabel hält es dabei fest. Zum Portionieren eines Bratens am Brett, zum Parieren oder Entbeinen sind andere Messer da, und davon stehen in unserer Kategorie der BBQ- und Steakmesser einige: Brisketmesser, Schinkenmesser, ein Fleischmesser und ein Kochmesser für den Grill. Dazu kommen acht weitere Steakmessersets, deren Produktnamen nur Messer aufführen. Das Zwilling-Set ist damit das einzige in der Kategorie, das Gabeln mitbringt.
In unserem Vergleich hat das Zwilling-Set die höchste Wertung der Kategorie und trägt deshalb das Siegel Vergleichssieger.
Messer und Gabel: Form, Stahl, Griff
Zwilling beschreibt die Klinge als die für Steakmesser typische, spitz zulaufende Form und schreibt, dass sich Steaks damit sehr leicht schneiden lassen. Den zweiten Teil lesen wir als Werbung. Die Form selbst hat einen praktischen Zweck: Mit einer Spitze kommst du an einem Knochen oder einer Sehne entlang, wo die runde Spitze eines gewöhnlichen Tafelmessers nicht hinreicht.
Als Material gibt Zwilling 18/10-Edelstahl an, rostfrei, und zwar für das Besteck als Ganzes.
Offen ist die Schneide. Ob die Steakmesser glatt geschliffen sind oder einen Wellenschliff haben, geht aus den Angaben von Zwilling nicht hervor, und auf dem Produktfoto (500 mal 500 Pixel) ist die Kante zu schmal, um Zähne oder Bögen zu erkennen. Am Teller ist das keine Nebensache. Porzellan und Steingut sind härter als der Stahl einer Tafelmesserklinge, und jeder Kontakt mit dem Teller stumpft eine glatte Schneide ein wenig ab. Ein Wellenschliff fängt diese Kontakte mit den Spitzen seiner Bögen ab, die zurückliegenden Schneidenteile dazwischen bleiben länger unberührt. Dafür reißt er die Fasern eher, als dass er sie durchtrennt, und nachschärfen lässt er sich zu Hause nur mit Geduld und passendem Werkzeug. Eine glatte Schneide trennt sauberer und lässt sich auf jedem Stein nachziehen, muss das aber öfter. Wie wir die beiden Varianten gegeneinander abwägen, steht im Ratgeber Steakmesser: glatt oder Wellenschliff?
Die Griffe zeigt das Produktfoto flach und kantig, durchgehend aus Metall, ohne aufgesetzte Griffschalen und ohne sichtbare Nieten; ob Klinge und Griff aus einem Stück bestehen, lässt sich daran nicht ablesen. Messer und Gabel glänzen spiegelnd, das passt zu „polished“, wie Zwilling das Set auf seiner britischen Seite bezeichnet. Die Gabel hat drei Zinken. Weil am Griff weder Holz noch Kunststoff sitzt, kann dort in der Spülmaschine nichts aufquellen oder ausbleichen.
Im Detail: Was „18/10“ über eine Messerklinge verrät
Die Bezeichnung beschreibt die Legierung, rund 18 Prozent Chrom und 10 Prozent Nickel. Chrom bildet an der Oberfläche eine dünne Oxidschicht, die sich nach Kratzern von selbst erneuert und den Stahl vor Rost schützt. Nickel stabilisiert ein austenitisches Gefüge, das zäh und besonders korrosionsbeständig ist. Für Gabeln, Löffel und Kochtöpfe, die über Jahre durch die Spülmaschine gehen, ist das ein verbreiteter Werkstoff.
Für eine Schneide hat dieser Stahl einen grundsätzlichen Nachteil: Austenitischer Stahl lässt sich durch Abschrecken nicht härten. Er wird beim Kaltverformen etwas fester, erreicht aber nicht die Härte eines gehärteten Messerstahls. Rostfreie Küchenmesser bestehen deshalb meist aus martensitischem Chromstahl, etwa X50CrMoV15 oder X46Cr13, der beim Abschrecken hart wird und eine feine Schneide länger hält. Bei Tafelbesteck ist es üblich, Gabeln und Löffel aus 18/10 zu fertigen und nur die Messerklingen aus einem härtbaren Chromstahl. Manche Hersteller schreiben das ausdrücklich in die Materialangabe.
Für die Messerklingen kann Zwillings Angabe 18/10 also zweierlei heißen: eine vereinfachte Materialangabe, die die Klinge stillschweigend ausnimmt, oder Klingen, die ebenfalls aus 18/10 bestehen.
Welche Lesart stimmt, findest du nach dem Kauf selbst heraus, mit einem Kühlschrankmagneten. Austenitischer 18/10-Stahl zieht ihn kaum oder gar nicht an, martensitischer Klingenstahl deutlich. Haftet der Magnet an der Klinge, an der Gabel aber nicht, sind die beiden Teile aus unterschiedlichem Stahl, und die Klinge ist sehr wahrscheinlich aus härtbarem Chromstahl. Ein ferritischer Stahl ohne Nickel würde den Magneten allerdings ebenfalls halten, der Versuch ist also ein Hinweis, kein Beweis. Haftet er an keinem der beiden Teile, würden wir die Messer wie gewöhnliche Tafelmesser behandeln und kein Geld in einen Schleifstein für sie stecken.
Taugt das Set als Geschenk?
Ja. Zwilling beschreibt die Holzkiste ausdrücklich als Geschenkverpackung, die danach als Aufbewahrung für das Besteck weiterdient.
Auf dem Produktfoto ist die Kiste aus hellem Holz, an Kanten und Flächen dunkel verfärbt, als wäre sie angesengt. Aufgesetzte Latten laufen über Deckel und Seiten, vorn schließt ein metallener Hakenverschluss. Oben auf dem Deckel sitzt das Zwilling-Logo, darunter Messer und Gabel über Kreuz und in großen, verzierten Lettern das Wort STEAKBESTECK. Zwilling selbst nennt die Kiste rustikal.
Unsere Einschätzung: Als Geschenk passt das Set zu Leuten, die gerade einen Haushalt einrichten oder regelmäßig Gäste zum Grillen haben. Für einen Single-Haushalt sind zwölf Teile zu viel, dort würden wir eher ein kleineres Messerset verschenken. Und falls jemand in der Familie abergläubisch ist: Nach altem Brauch zerschneidet ein geschenktes Messer die Freundschaft, deshalb gibt der Beschenkte eine kleine Münze zurück und hat das Messer damit symbolisch gekauft. Mehr zu Anlässen, Budget und dem Brauch findest du im Ratgeber Messer schenken.
Was Zwilling nicht angibt
Die Liste ist lang, und bei einem Messer betrifft sie das Wesentliche. Zwilling nennt für dieses Set keine Klingenlänge, keine Gesamtlänge von Messer oder Gabel, weder Klingenhöhe noch Klingenstärke und kein Gewicht, weder für ein Einzelteil noch für das Set. Offen bleiben die Art der Schneide (glatt, Wellenschliff oder Mikroverzahnung), der Stahl der Messerklinge getrennt von der Gabel, die Härte in HRC, der Schliffwinkel und ob ein- oder beidseitig geschliffen ist. Ebenso fehlen Angaben zur Bauweise, also ob die Teile einteilig, geschmiedet oder gestanzt sind, und zum Fertigungsland. Zur Holzkiste gibt es weder Holzart noch Maße, Innenausstattung oder einen Pflegehinweis. Eine Empfehlung zum Nachschärfen und eine Garantieangabe für dieses Modell haben wir auf den Zwilling-Seiten ebenfalls nicht gefunden.
Frühere Fassungen dieser Seite nannten Längenmaße und ein Setgewicht. Belegen ließ sich davon nichts, deshalb stehen die Zahlen hier nicht mehr. Händlerseiten listen zum Teil ein Gewicht und Kistenmaße. Als Beleg zählen Händlerangaben bei uns grundsätzlich nicht.
Auch aus unabhängiger Quelle kennen wir keine Messdaten zu diesem Set. Stiftung Warentest hat in test 12/2014 20 Messer untersucht, klassische Kochmesser, Santokus und Keramikmesser; Tafel- und Steakmesser waren nicht dabei. Einen Vergleich zu Steakbesteck haben wir auf test.de nicht gefunden.
Spülmaschine, Besteckkorb, Nachschärfen
Laut Zwilling ist das Besteck spülmaschinengeeignet. Für Küchenmesser raten wir von der Maschine ab, weil Hitze, Lauge und das Anschlagen im Korb eine feine Schneide angreifen. Hier gilt die ausdrückliche Freigabe des Herstellers, und für ein Tafelbesteck, das nach einem Abend zu sechst zwölffach im Spülbecken läge, ist sie ein echter Vorteil.
Wie das Besteck in den Korb gehört, beschreibt Zwilling in einem allgemeinen Besteck-Ratgeber, nicht speziell für dieses Set: unsortiert und mit den Griffen nach unten, damit der Wasserstrahl alle Teile erreicht, und der Besteckkorb nicht zu voll. Außerdem soll das Besteck laut diesem Ratgeber keinen Kontakt zu Geschirrteilen haben.
Bei Steakmessern bedeutet „Griffe nach unten“, dass sechs Spitzen nach oben zeigen. Räumen Erwachsene aus, würden wir die Messer trotzdem so einsortieren. Hilft ein Kind beim Ausräumen, stecken wir sie lieber mit der Spitze nach unten und nehmen in Kauf, dass der Wasserstrahl die Griffe dann schlechter erreicht.
Welches Werkzeug zum Nachschärfen passt, entscheidet die Schneidenart. Ist sie glatt, findest du Körnung und Winkel im Schärf-Trainer.
Welche Sets daneben infrage kommen
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm dieses, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Zwilling Steakbesteck Set 12-tlg. (dieses) | 6 Messer plus 6 Gabeln, 18/10 laut Zwilling, Holzkiste | ca. 35 € | 9,4 | du für sechs Leute komplett eindecken willst |
| WMF Nuova Steakmesser Set 6-tlg. | sechs Messer, keine Gabeln | ca. 25 € | 8,4 | im Schrank schon passende Gabeln liegen |
| Victorinox Swiss Classic Steak- und Pizzamesser-Set 6-tlg. | Kunststoffgriffe, auch für Pizza gedacht, keine Gabeln | ca. 29 € | 8,6 | die Messer auch am Pizzaabend auf den Tisch sollen |
| Rösle Steakmesser-Set 4-tlg. | vier Messer, keine Gabeln, Holzbox | ca. 29 € | 8,5 | selten mehr als vier Leute am Tisch sitzen |
Die Preise sind Amazon-Richtwerte mit Stand Juli 2026 und können sich seitdem verändert haben. Die Wertung ist unsere redaktionelle Einschätzung, kein Messergebnis.
Wann dieses Set, wann ein anderes
Zuerst die Gabelfrage. Hast du schon Gabeln, die zum Steak taugen, bezahlst du beim Zwilling-Set sechs Teile mit, die in der Schublade bleiben. Das WMF-Nuova-Set mit sechs Messern kostet knapp 10 Euro weniger, das Set von Victorinox gut 6 Euro weniger (Preise Stand Juli 2026).
Bei zwei bis vier Leuten am Tisch ist das Rösle-Set die kleinere Lösung. Es kostet gut 5,50 Euro weniger als das Zwilling-Set.
Wer die Messer auch am Pizzaabend auflegen will, findet bei Victorinox ein Set, das schon im Namen für Steak und Pizza gedacht ist, mit Kunststoffgriffen statt Metall.
Anders liegt der Fall, wenn du deine Steakmesser selbst auf dem Stein pflegen willst. Dafür brauchst du eine glatte Schneide und einen gehärteten Klingenstahl. Beim Zwilling-Set klärst du beides erst nach dem Kauf: die Schneide mit einer Lupe, den Stahl mit dem Magnetversuch aus dem Abschnitt zu 18/10, der allerdings nur einen Hinweis liefert.
Für wen geeignet?
Für Gastgeber, die öfter für sechs Leute Steak braten und bisher Messer und Gabeln aus verschiedenen Garnituren zusammensuchen. Zwilling zielt mit der Aufmachung genau auf diesen Abend: Der Hersteller vergleicht die Kiste mit dem Wilden Westen und verspricht, dass damit jeder Grillabend zum Barbecue wie in den amerikanischen Südstaaten wird. Das ist Werbung, zeigt aber, für welchen Tisch das Set gedacht ist. Das Design selbst beschreibt Zwilling als klassisch.
Die falsche Wahl ist es aus unserer Sicht für alle, die am Steakmesser Holz in der Hand haben wollen. Auf dem Produktfoto ist vom Griffende bis zur Spitze nur Metall zu sehen. In unserer Kategorie trägt etwa das Set Luxury Line von Laguiole Style de Vie das Olivenholz schon im Produktnamen, kostet mit ca. 75 Euro (Stand Juli 2026) aber gut doppelt so viel wie das Zwilling-Set und bringt keine Gabeln mit.



