Das XINZUO Lan Nakiri ist ein Gemüsemesser mit gerader Schneide, ohne Spitze und mit Olivenholzgriff. Der Amazon-Katalogtitel nennt 18,2 cm Klingenlänge und „73 Schichten Damastpulverstahl“. Welcher Stahl das ist und wie hart er ist, steht im Titel nicht.
Diese Angaben stammen von xinzuo.com.au, einer Seite, die sich selbst als offiziellen australischen Vertriebspartner von XINZUO bezeichnet. Wenn hier „der Vertriebspartner“ steht, ist diese Domain gemeint. Auf xinzuo-knives.com, der Herstellerseite, haben wir die Lan-Serie nicht gefunden. Das dort gelistete CZ Handmade Nakiri ist ein anderes Modell: Es hat nach den Angaben dieser Seite 67 Lagen, einen Kern aus 10Cr15CoMoV und einen Griff aus Ebenholz mit Büffelhorn. Beim Vertriebspartner heißt unser Messer Lan Series 7 Zoll Nakiri (Code B37). Die Zuordnung zum Amazon-Angebot beruht auf Serienname, 73 Lagen, Olivenholz und Messerform.
Das Lan Nakiri kostet ca. 120 Euro (Stand Juli 2026). Von den 14 Messern in unserer Kategorie Nakiri & Gemüsemesser sind nur das Miyabi 4000FC (ca. 142 Euro) und das Tojiro Zen (ca. 131 Euro) teurer. Bei unserer Wertung liegt das Lan Nakiri mit 9,0 auf Platz vier, hinter dem Wüsthof Classic Nakiri (9,4, unser Vergleichssieger), dem Miyabi (9,2) und dem Tojiro (9,1).
Klinge und Stahl: Kern, Lagen, Härte
Der Katalogtitel gibt 18,2 cm an. Der Vertriebspartner führt das Nakiri als 7-Zoll-Modell, etwa 180 mm; sieben Zoll sind 17,8 cm, die beiden Angaben liegen also rund 4 mm auseinander. Rechnen wir mit dem Titel, ist es die längste Klinge unserer 14 Kategorie-Messer, die nächsten sind 18 cm lang.
Auf dem Produktfoto ist die klassische Nakiri-Form zu sehen: ein rechteckiges Blatt mit geradem Rücken, gerader Schneide und ohne Spitze. Über die Fläche läuft ein wellenförmiges Lagenmuster. Kullen, also Mulden über der Schneide, sind nicht zu erkennen. Nahe dem Griff stehen das rote XINZUO-Logo und der Schriftzug.
Den Kern bildet laut dem Nakiri-Eintrag auf der Serienseite des Vertriebspartners, den wir Nakiri-Listung nennen, ein Pulverstahl mit der Bezeichnung 14Cr14MoVNb, ummantelt von 73 Lagen Damast. Die Listung spricht von einem „73-layer Damascus cladding“, also einem Mantel aus 73 Lagen. Ob der Kern mitgezählt ist, sagen weder Katalogtitel noch Nakiri-Listung. Genauer wird die Produktseite des Lan-Chef-Messers mit 8,5 Zoll, kurz Chef-Messer-Seite: Ihr Mantel besteht aus SUS410 mit je 36 Lagen pro Seite, zwei mal 36 sind 72, mit dem Kern ergeben sich 73.
Die Härte des Kerns beziffert die Nakiri-Listung mit 62 bis 64 HRC. Auf der Chef-Messer-Seite derselben Serie steht 62 ± 2 HRC, das wären 60 bis 64. Beide Bereiche überlappen; auf eine einzelne Zahl festlegen kann man sich daraus nicht. Gehärtet wird die Lan-Serie laut Chef-Messer- und Ausbeinmesser-Seite im Vakuum, danach folgt ein Tiefkühlzyklus; das ist ein Verfahren der Serie. Der Rücken ist laut Nakiri-Listung ca. 2,1 mm stark.
Zum Schliff: Einen eigenen Winkel nennt der Vertriebspartner für das Lan Nakiri nicht. Als Anhaltspunkte bleiben die 15 Grad je Seite (± 1), die auf der Chef-Messer-Seite stehen, und die 12 bis 15 Grad, die ein Ratgeber des Vertriebspartners für Nakiris und Santokus der Marke ab Werk angibt.
Griff und Konstruktion
Laut Katalogtitel ist der Griff aus Olivenholz und ergonomisch geformt. „Ergonomisch“ ist Werbung, belegt ist nur das Holz. Auf dem Foto fällt die kräftige Maserung auf, die bei Holz von Griff zu Griff verschieden ausfällt. Am Griffende sitzt ein schräg angeschnittener silberfarbener Abschluss, zur Klinge hin ein silberfarbener, konisch geformter Bolster mit einem dünnen goldfarbenen Ring am Holz. Klassische Nieten sind auf dem Foto nicht zu erkennen, zu sehen ist ein runder, messing- bis kupferfarbener Pin mit Ornament im Holz.
xinzuo.com.au beschreibt Olivenholz mit Kupfer-Nieten im Blumenmuster. Das passt zum Pin auf dem Foto, bewiesen ist die Zuordnung dadurch nicht. Blogbeiträge derselben Domain beschreiben außerdem einen achteckigen Griff. Vollerl (full tang) nennt der Vertriebspartner, auf dem Foto ist das nicht prüfbar; dabei läuft der Klingenstahl in voller Länge durch den Griff.
Im Detail: Pulverstahl, Chrom und HRC
Gewöhnlicher Stahl erstarrt aus der Schmelze. Pulverstahl entsteht anders: Die Schmelze wird zu feinem Pulver zerstäubt, das Pulver unter Hitze und Druck zu einem dichten Block verdichtet. Dadurch verteilen sich die Legierungselemente gleichmäßiger, und die harten Karbide bleiben klein. Ein Ratgeber des Vertriebspartners nennt 14Cr14MoVNb einen pulvermetallurgisch hergestellten rostfreien Stahl. Die Beschreibung oben ist die allgemeine Technik. Der Begriff Pulverstahl beschreibt nur das Verfahren; Härte, Rostträgheit und Schnitthaltigkeit hängen von der einzelnen Sorte ab.
Rostträge wird ein Stahl, wenn mindestens etwa 10,5 Prozent Chrom im Eisen gelöst sind. Zwei Seiten des Vertriebspartners kommen beim 14Cr14MoVNb auf etwa 14 Prozent Chrom im Stahl. Bei kohlenstoffreichen Stählen bindet sich ein Teil des Chroms in Karbiden und fehlt dem Eisen. Wie viel Chrom gelöst bleibt, hängt unter anderem vom Kohlenstoffgehalt ab, und der ist auf den Seiten des Vertriebspartners unterschiedlich angegeben. Rostträge ist außerdem nicht rostsicher: Wo Nässe lange steht, kann auch ein solcher Stahl anlaufen.
HRC ist die Härte nach Rockwell, Skala C. Unser Ratgeber zur Körnung ordnet europäische Küchenmesser bei 54 bis 58 HRC ein und viele japanische Klingen bei 58 bis 63. Je härter der Stahl, desto weniger gibt die dünne Schneide unter Last nach und desto länger hält sie einen schmalen Winkel. Dafür bricht eine harte Kante aus, wo sich eine weichere umlegt. Die Härte hängt neben der Sorte an der Wärmebehandlung.
Beim Winkel zählt die einzelne Seite: 15 Grad je Seite ergeben zusammen 30 Grad, 20 Grad je Seite 40. Der engere Keil trennt leichter und ist empfindlicher gegen Stöße.
Und die Lagen. Die Zahl 73 beschreibt den Aufbau des Mantels und das Aussehen, kaum die Schneide. In einem Verbund aus Kern und Mantel, wie ihn der Vertriebspartner beschreibt, liegt der Kern in der Schneide, die Mantellagen sitzen an den Flanken. Laut einem Blogbeitrag des Vertriebspartners wirkt sich die Lagenzahl auf das Aussehen aus, auf die Schneidleistung dagegen nicht. Wir würden bei Damast deshalb zuerst nach Kernstahl und Härte fragen, nicht nach der Lagenzahl.
Ist das Lagenmuster echter Damast?
Das lässt sich mit unseren Quellen nicht entscheiden. Der Vertriebspartner beschreibt einen Aufbau aus Pulverstahlkern und SUS410-Lagen, doch eine unabhängige Prüfung dazu haben wir nicht gefunden, und ein Muster auf dem Foto belegt nichts.
Der Vertriebspartner äußert sich zur Herkunft des Musters widersprüchlich. Die Chef-Messer-Seite der Serie spricht von Lagengrenzen, die beim Schleifen sichtbar werden, und ausdrücklich von keinem Ätzdruck. Ein Blogbeitrag derselben Domain sagt, das Wellenmuster werde mit Eisenchlorid herausgeätzt. Das schließt sich weniger aus, als es klingt: Auch echter Lagenstahl wird in der Regel geätzt, weil erst das Säurebad die Lagen unterschiedlich anfärbt. Ob geätzt wurde, entscheidet also wenig, wichtiger ist, was unter dem Muster liegt.
Bei klassischem Damast sind das Lagen verschiedener Stähle, die im Ätzbad unterschiedlich reagieren. Die Chef-Messer-Seite führt für den Mantel nur SUS410 auf, also eine einzige Sorte.
Von den Prüfkriterien in unserem Ratgeber Echten Damast erkennen kann nur beurteilen, wer das Messer vor sich hat, ob das Muster der Schleifkante folgt und ob an der Fase kurz vor der Schneide eine Kernlinie zu sehen ist. Vom Schreibtisch aus lässt sich eines abhaken: Die Angaben des Vertriebspartners sind konkret, mit Kernstahl, Härte und Lagenzahl.
Schärfen und Pflege
Nur von Hand, schreibt der Vertriebspartner für die Lan-Serie vor. Spülmaschinenreiniger und Hitze schaden laut seiner Produktseite Schneide und Olivenholzgriff. Den Griff pflegt man laut Vertriebspartner dünn mit lebensmittelechtem Mineralöl, einweichen soll er nicht.
Zum Abziehen zwischen den Schärfgängen empfiehlt der Vertriebspartner einen Keramikstab. Vom Stahl-Wetzstab rät er bei den harten Klingen seiner Marke ab, weil ein Rillenstab die dünne Schneide ausbrechen kann. Das eigentliche Schärfen gehört auf den Wasserstein: erst ein 1000er zum Nachschärfen, danach ein 3000er bis 6000er zum Verfeinern. Was die Zahlen bedeuten, erklärt der Ratgeber Schleifstein Körnung, und wie sich Winkel und Körnung zusammen auswirken, kannst du im Schärf-Trainer durchspielen.
Was kommt sonst infrage?
Drei Nakiris aus unserem Katalog, die du gegen das Lan Nakiri abwägst. Sie sind 16,5 bis 17 cm lang.
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm dieses, wenn |
|---|---|---|---|---|
| XINZUO Lan Nakiri 18,2 cm (dieses) | Kern 14Cr14MoVNb unter 73 Lagen, 62 bis 64 HRC, beides laut Vertriebspartner | ca. 120 € | 9,0 | du ohnehin Wasserstein und Keramikstab nutzt und Damastoptik willst |
| Wüsthof Classic Nakiri 17 cm | 58 HRC laut Wüsthof, zum Nachziehen ist der Wetzstahl vorgesehen | ca. 94 € | 9,4 | du den Wetzstahl behalten willst und gut 26 Euro weniger zahlen möchtest |
| Hoshanho Damast Nakiri 16,5 cm | 67 Lagen Damast, rostfrei, ca. 62 HRC laut Hersteller, Kernstahl nicht benannt, ebenfalls Olivenholzgriff | ca. 65 € | 8,1 | dir Damastoptik mit Olivenholzgriff genügt und du rund 55 Euro sparen willst |
| Tojiro Zen Nakiri 16,5 cm | dreilagig mit VG10-Kern, Wa-Griff aus Magnolienholz, 155 g laut Tojiro, auf dem Foto ohne Lagenmuster | ca. 131 € | 9,1 | du einen japanischen Hersteller und eine schlichte Klinge willst und gut 11 Euro mehr zahlst |
Die Preise sind Amazon-Preise mit Stand Juli 2026. Unsere Wertung ist eine redaktionelle Einschätzung und kein Messergebnis, über die Haltbarkeit einer Schneide sagt sie nichts. Weitere Nakiris findest du in unserer Bestenliste.
Wann das Lan Nakiri passt und wann ein anderes Messer
Ein Nakiri trennt im Druck- oder Schubschnitt: Die Klinge geht senkrecht nach unten, am Ende liegt die ganze gerade Schneide auf dem Brett. Zum Wiegeschnitt, bei dem die Spitze auf dem Brett bleibt und die Klinge darüber wippt, taugt eine gerade Schneide schlecht. Wer vor allem Kräuter wiegt, fährt mit Kochmesser oder Santoku besser. Die Formen stellt der Ratgeber Gemüsemesser: Nakiri, Santoku oder Kochmesser? nebeneinander, und der Messer-Finder grenzt sie nach Einsatz und Budget ein.
Zur Länge zählt das Brett. Auf 30 x 40 cm, dem Mindestmaß, das unser Ratgeber Kochmesser Größe für ein 20-cm-Kochmesser ansetzt, bleibt die 18,2-cm-Klinge klar unter der kurzen Seite.
Die größte Weiche ist das Schärfen, siehe die Tabelle oben. Wer weder Wasserstein noch Keramikstab hat, rechnet die Ausrüstung ein: Das XINZUO Profi-Schleifstein-Set 3000/8000 aus unserem Katalog kostet ca. 66 Euro (Stand Juli 2026), zusammen mit dem Messer sind das rund 186 Euro. Dem Set fehlt die 1000er Stufe, mit der der Vertriebspartner das Nachschärfen beginnt. Ein Keramikstab käme noch dazu, als Preisorientierung der Wüsthof Keramik-Schärfstab mit ca. 55 Euro, dann liegt die Rechnung bei rund 241 Euro.
Das Spülmaschinenverbot trennt das Lan Nakiri nicht von Wüsthof und Tojiro, beide Hersteller raten laut ihren Seiten ebenfalls ab. Wer Messer grundsätzlich in die Spülmaschine stellt, findet unter diesen drei keines, das der Hersteller dafür empfiehlt.
Für Linkshänder lässt sich die Klinge nicht sicher beurteilen: Ein Nakiri ist nach unserem Gemüsemesser-Ratgeber üblicherweise beidseitig geschliffen, anders als das einseitig geschliffene Usuba, und die Chef-Messer-Seite der Lan-Serie nennt 15 Grad je Seite. Unser Ratgeber Messer für Linkshänder weist aber darauf hin, dass japanische Nakiris oft leicht asymmetrisch geschliffen sind und man den Anschliff vor dem Kauf erfragen sollte. Für dieses Nakiri nennt der Vertriebspartner weder einen eigenen Winkel noch eine Aussage zur Eignung für Linkshänder. Zum Griff: Blogbeiträge des Vertriebspartners beschreiben ihn als achteckig, nach demselben Ratgeber eine symmetrische Form, auf dem Foto lässt sich das nicht prüfen.
Bleibt die Optik. Das Muster ist Geschmackssache. Wer Damastoptik mit Olivenholzgriff will und den Kernstahl nicht kennen muss, findet beides auch beim günstigeren Hoshanho.
Was wir nicht belegen konnten
Zur Klinge fehlen Klingenhöhe, Gesamtlänge und Grifflänge des Nakiri; das Gewicht gibt die Nakiri-Listung nur als Spanne von ca. 200 bis 230 g an. Die Maße anderer Lan-Messer taugen nicht als Ersatz. Ob das Nakiri geschmiedet ist, sagt der Vertriebspartner nur für die Marke allgemein, und ob Holz und Stahl verklebt oder vernietet sind, steht ebenso wenig da wie eine Aussage zu Kullen. Dazu kommt die Streuung bei der Härte (62 bis 64 gegen 62 ± 2 HRC) und bei den Ölintervallen für den Griff. Zur Eignung für Linkshänder und zum Anschliff beider Seiten dieses Nakiri macht der Vertriebspartner keine Aussage. Eine Normangabe zu den Körnungen (JIS oder FEPA) macht der Vertriebspartner nicht; bei Wassersteinen ist JIS üblich. Eine Garantie beim Kauf über Amazon.de ist nicht belegt, die Zusagen des Vertriebspartners beziehen sich auf Australien. Unabhängige Messungen zu Härte, Schnitthaltigkeit, Schärfe oder Verarbeitung kennen wir nicht, was es dazu gibt, sind Werbetexte des Vertriebspartners.
Für wen geeignet?
Die falsche Wahl ist das Lan Nakiri für alle, die ein einziges Messer für die ganze Küche suchen. Unser Gemüsemesser-Ratgeber nennt das Nakiri ein Zweitmesser für viel Gemüse, und ohne Spitze lässt sich damit nichts anstechen, auslösen oder parieren.
Dazu kommt die Härte. Ein allgemeiner Pflegeratgeber des Vertriebspartners, nicht auf das Lan Nakiri zugeschnitten, schreibt, Mikroausbrüche kämen bei sehr harten Stählen häufiger vor, ebenso beim Schneiden von Knochen, Gefrorenem und harten Kernen. Eine Schwellenzahl dazu lassen wir weg, weil sie sich nur an einer Stelle fand. Das Lan Nakiri gehört mit 62 bis 64 HRC laut Nakiri-Listung zu den Nakiris mit den höchsten Härteangaben in unserer Kategorie. Für Geflügel mit Knochen oder Tiefkühlware würden wir ein zweites, weicheres Messer nehmen.



